Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e.V.

Die Cannstatter Nachtwächter

Eine Chronik über Geschichte, Tradition

 

Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V.
Gegründet am 11.11.2016 um 11:11 Uhr

 

Vorwort:

Wenn Cannstatt noch schläft …

Wenn sich die Dunkelheit über Bad Cannstatt legt und die Straßen langsam zur Ruhe kommen, beginnt in unserer Vorstellung die Zeit des Nachtwächters.

Mit Laterne, traditioneller Kleidung und wachsamen Augen zieht er durch die Gassen.

Er erinnert an eine Zeit, in der die Sicherheit einer Stadt noch von Menschen abhing, die während der Nacht ihren Dienst verrichteten.

 

Der Nachtwächter ist weit mehr als eine historische Figur.

Er steht für Wachsamkeit, Pflichtbewusstsein und die Geschichte unserer Heimat.

Zugleich verkörpert er eine Welt, in der sich das Leben nach dem Rhythmus der Jahreszeiten, dem Glockenschlag und den örtlichen Traditionen richtete.

 

Mit den Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. führen wir diese Erinnerung in die Gegenwart.

Wir verbinden die historische Gestalt des Nachtwächters mit der Fasnet und tragen dazu bei, das Brauchtum in Bad Cannstatt lebendig zu halten.

 

Unsere Vereinsgeschichte begann am 11. November 2016 um 11:11 Uhr.

Seit diesem besonderen Zeitpunkt verbindet uns die Begeisterung für die Fasnet, die Gemeinschaft und die Tradition der Nachtwächter.

 

Diese Chronik soll einen Einblick in die Geschichte des historischen Nachtwächters geben,

unseren Verein vorstellen.

 

Dabei begegnen uns gesicherte historische Zusammenhänge ebenso wie Erzählungen, Redewendungen und örtliche Überlieferungen.

Wo eine Geschichte nicht eindeutig belegt ist, verstehen wir sie als Teil der mündlichen Tradition und nicht als gesicherte historische Tatsache.

 

Möge diese Chronik dazu beitragen, dass die Geschichte der Nachtwächter nicht in Vergessenheit gerät und unsere Tradition auch für kommende Generationen lebendig bleibt.

Denn wenn Cannstatt noch schläft, sind die Nachtwächter schon unterwegs!


Inhaltsverzeichnis

 

  1. Die Gründung der Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V.
  2. Nachtwächter in Cannstatt „Eine lange Tradition“
  3. Die Nachtwächter „Hüter der nächtlichen Ruhe“
  4. Bad Cannstatt „Ein Ort mit Geschichte und Tradition“
  5. Eine Minute voraus „Die Cannstatter Uhren“
  6. Cannstatt mit eigenem Charakter „Stuttgart endet am Neckar“
  7. Die Ausrüstung des Nachtwächters
  8. Die Ämter der Nachtwächter. Wer hatte welche Aufgabe?
  9. Der Polizeibrunnen „Ein besonderer Ort für die Cannstatter Nachtwächter“
  10. Vom historischen Beruf zum lebendigen Brauchtum
  11. Warum beginnt die Fasnet am 6.Januar um 5 Uhr morgens?
  12. Unser Brauchtum „Tradition bewahren und weitergeben“
  13. Die gesellschaftliche Stellung des Nachtwächters
  14. Die Heiratschancen des Nachtwächters
  15. Der Henker noch stärker ausgegrenzt
  16. Die Sperrstunde „Wenn die Stadttore geschlossen wurden“
  17. Wenn der Nachtwächter bei einem Wirt einkehrte
  18. Eine Redewendung mit düsterem Hintergrund „Sich wie gerädert fühlen“
  19. Weitere Redewendungen rund um Nacht, Wachsamkeit und Dunkelheit
  20. „Du schläfst ja mit offenen Augen!“
  21. Die Cannstatter Nachtwächter „Hüter einer lebendigen Tradition“
  22. Schlusswort – Unsere Tradition lebt weiter


1. Die Gründung der Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V.

 

Jede Tradition braucht Menschen, die sie mit Leben füllen.

Aus der Begeisterung für die Fasnet, die Geschichte und die historische Figur des Nachtwächters entstand die Idee, diese besondere Verbindung in einem eigenen Verein lebendig werden zu lassen.

Am 11.11.2016 um 11:11 Uhr war es schließlich so weit:

Die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. wurden gegründet.

 

Das Datum und die Uhrzeit sind für uns Narren etwas ganz Besonderes.

Der 11. November um 11:11 Uhr gilt traditionell als Auftakt der närrischen Zeit.

Für unseren Verein wurde dieser Zeitpunkt zugleich zum Ausgangspunkt einer eigenen Geschichte.

Seit der Gründung verbindet die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. die Pflege des närrischen Brauchtums mit der Erinnerung an den historischen Nachtwächter.

Durch ihre traditionelle Erscheinung, ihre Teilnahme an Veranstaltungen und Umzügen sowie ihr Engagement für die Fasnet tragen die Mitglieder dazu bei, diese Figur in Bad Cannstatt lebendig zu halten.

Dabei geht es nicht allein um Kostüme / Häs, Auftritte und närrisches Treiben.

Es geht auch um Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Freude daran, gemeinsam etwas zu bewahren, das Menschen miteinander verbindet.

Aus der Begeisterung für eine historische Gestalt wurde so ein fester Bestandteil des heutigen Vereinslebens.

Die Nachtwächter stehen nicht nur für vergangene Zeiten, sondern auch für die Menschen, die ihre Tradition in der Gegenwart weitertragen.

Am 11.11.2016 um 11:11 Uhr begann unsere Geschichte seitdem halten wir die Tradition der Cannstatter Nachtwächter wach und tragen die Fasnet mit Stolz in die Zukunft.

 

2. Nachtwächter in Cannstatt „Eine lange Tradition“

Bad Cannstatt blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.

Als einer der ältesten Siedlungsorte der Region entwickelte sich Cannstatt über viele Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden Ort am Neckar.

Wie in vielen historischen Städten gehörten Nachtwachen und Maßnahmen zur Sicherung der nächtlichen Ordnung zum städtischen Leben.

Nachtwächter und andere mit der Nachtwache beauftragte Personen konnten dazu beitragen, Gefahren frühzeitig zu erkennen, auf Brände aufmerksam zu machen und die Einhaltung örtlicher Regeln zu überwachen.

Dennoch steht Die Figur des Nachtwächters steht sinnbildlich für eine Zeit, in der die Sicherheit einer Stadt stark von der Aufmerksamkeit einzelner Menschen abhing.

Heute halten die Cannstatter Nachtwächter diese Erinnerung wach.

Sie verbinden die Geschichte ihrer Heimat mit einem Brauchtum, das Menschen zusammenführt und über Generationen hinweg weitergegeben werden kann. 

3. Die Nachtwächter „Hüter der nächtlichen Ruhe“

Wenn sich früher die Dunkelheit über die Städte und Dörfer legte, begann die Arbeit der Nachtwächter.

Während die meisten Menschen schliefen, zogen sie durch Straßen und Gassen,

um für Ordnung und Sicherheit zu sorgen.

Ihre Aufgaben waren vielfältig.

Sie achteten auf verdächtige Geräusche, warnten die Bevölkerung vor Feuer und anderen Gefahren und erinnerten die Menschen an die Uhrzeit.

Mit ihren Rufen machten sie auf sich aufmerksam und zeigten,

dass jemand über die nächtliche Ruhe wachte.

In einer Zeit ohne elektrische Straßenbeleuchtung und moderne Kommunikationsmittel war diese Tätigkeit von großer Bedeutung

Ein unentdeckter Brand, konnte verheerende Folgen haben.

Deshalb war es wichtig, Gefahren frühzeitig zu erkennen und die Bevölkerung rechtzeitig zu warnen.

Doch der Beruf war nicht nur von Verantwortung geprägt.

Er bedeutete lange Nächte, Wind und Wetter, Einsamkeit und häufig ein bescheidenes Einkommen.

Der Nachtwächter war eine notwendige Gestalt des historischen Alltagslebens, genoss aber nicht

überall ein hohes gesellschaftliches Ansehen.

Heute erinnern wir uns an ihn als Hüter der Nacht als einen Menschen, der wach blieb, während andere ruhten.


 

4. Bad Cannstatt „Ein Ort mit Geschichte und Tradition“

Bad Cannstatt gehört zu den geschichtsträchtigen Orten der Region Stuttgart.

Die Lage am Neckar, die lange Siedlungsgeschichte und die Mineralquellen haben die Entwicklung des Stadtteils über viele Jahrhunderte geprägt.

Straßen, Plätze, historische Gebäude und Brunnen erinnern an die Vergangenheit.

Sie erzählen von einer Zeit, in der das Leben stärker von örtlichen Gemeinschaften, Handwerk, Handel und festen Regeln bestimmt wurde.

In einer solchen Umgebung hatte auch die nächtliche Ordnung ihren Platz.

Die Menschen waren aufeinander angewiesen, Gefahren wie Brände oder Diebstähle hatte für einzelne Haushalte und ganze Straßenzüge schwerwiegende Folgen haben.

Die Figur des Nachtwächters passt deshalb in besonderer Weise zur historischen Atmosphäre

Cannstatts.

Sie erinnert an die Menschen, die im Hintergrund arbeiteten und dafür sorgten, dass das öffentliche Leben auch während der Nacht geschützt blieb.

Heute verbindet sich diese Erinnerung mit dem lebendigen Brauchtum in Bad Cannstatt.


5. Eine Minute voraus „Die Cannstatter Uhren“

Mit einem Augenzwinkern wird den Cannstattern nachgesagt, sie seien den Stuttgartern immer eine Minute voraus.

Dieser Spruch gehört zum humorvollen lokalen Selbstverständnis.

Er ist nicht als wörtliche historische Tatsache zu verstehen, sondern als scherzhafte Behauptung, die

den besonderen Charakter Cannstatts unterstreicht.

Bevor sich eine einheitliche gesetzliche Zeit durchsetzte, richteten sich die Ortszeiten vielerorts nach dem Stand der Sonne.

Weil sich die Sonne je nach geografischer Lage zu leicht unterschiedlichen Zeiten im höchsten Punkt befand, gab es kleine Unterschiede zwischen den örtlichen Zeiten.

Diese betrugen zwischen den Orten allerdings nur wenige Sekunden und nicht pauschal eine ganze Minute.

So lässt sich der Spruch als charmante lokale Überlieferung verstehen:

Cannstatt ist eben immer einen kleinen Schritt voraus.

Zumindest, wenn man den Cannstattern Glauben schenkt.

6. Cannstatt mit eigenem Charakter „Stuttgart endet am Neckar“

Der Spruch „Stuttgart endet am Neckar“ ist eine alte, leicht humorvolle und manchmal auch spöttisch gemeinte Redensart.

Er bringt das besondere Selbstverständnis vieler Cannstatter zum Ausdruck, die ihre eigene Geschichte, ihre Traditionen und ihre Identität betonen und sich damit augenzwinkernd vom „eigentlichen“ oder inneren Stuttgart abgrenzen.

Denn Bad Cannstatt blickt auf eine lange Geschichte zurück, die weit vor der Eingemeindung nach Stuttgart im Jahr 1905 begann.

Mit seinen historischen Wurzeln, seinen Mineralquellen, dem Neckar und seinem ausgeprägten örtlichen Gemeinschaftsgefühl hat Cannstatt bis heute einen ganz eigenen Charakter bewahrt.

Der Spruch ist deshalb mehr als nur eine scherzhafte Bemerkung.

Er steht für den Stolz auf die eigene Heimat und für das Gefühl, vieler Cannstatter, eben nicht einfach nur ein Stuttgarter zu sein.

Denn Cannstatt ist Cannstatt, mit eigener Geschichte, eigenem Charakter und einer Tradition, die bis heute lebendig ist.


7. Die Ausrüstung des Nachtwächters

Der historische Nachtwächter war an seiner besonderen Ausrüstung zu erkennen.

Sie half ihm bei seiner Arbeit und machte ihn für die Bevölkerung sichtbar.

Die Laterne war eines seiner wichtigsten Hilfsmittel.

Sie spendete Licht auf den dunklen Straßen und half ihm dabei, Hindernisse und mögliche Gefahren zu erkennen.

Das Horn diente dazu, auf sich aufmerksam zu machen und gegebenenfalls die Bevölkerung zu warnen.

Der Stock oder die Hellebarde gehörte zur Ausrüstung und wurden zum Schutz benötigt.

Der Becher taucht in zahlreichen Erzählungen rund um den Nachtwächter auf.

Geschichten über einen Becher, den er auf seinen Rundgängen bei sich getragen haben soll, gehören zum überlieferten Bild dieser historischen Figur.

Auch Kleidung und Kopfbedeckung konnten den Nachtwächter von anderen Bewohnern unterscheiden.

Die konkrete Ausstattung war je nach Ort und Zeit unterschiedlich.

Die heutige Darstellung der Cannstatter Nachtwächter knüpft an dieses traditionelle Erscheinungsbild an.

Mit ihrer Ausrüstung und Kleidung machen sie die historische Figur wieder erkennbar und tragen dazu bei, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.

 

8. Die Ämter der Nachtwächter. Wer hatte welche Aufgabe?

Die Nachtwache war nicht überall gleich organisiert.

In größeren Städten oder bei umfangreich organisierten Wachdiensten konnten verschiedene Personen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Der Oberwächter konnte als führender Nachtwächter die Verantwortung für die Organisation und Koordination der Wache tragen.

Er achtete darauf, dass die Aufgaben verteilt und die Rundgänge durchgeführt wurden.

Der Unterwächter unterstützte den Oberwächter und konnte bei der Organisation und Durchführung des Wachdienstes mitwirken.

Der Laternenwächter war für das Anzünden der Straßenlaternen zuständig.

Je nach örtlicher Organisation konnte dazu auch gehören, die Beleuchtung zu kontrollieren oder die Laternen wieder zu löschen.

In manchen Städten übernahmen diese Aufgaben allerdings eigene Laternenanzünder oder andere Bedienstete.

Daneben gab es Nachtwächter, die bestimmte Straßen, Stadtbereiche oder Aufgaben zugeteilt bekamen.

Sie gingen ihre vorgeschriebenen Wege ab und achteten auf mögliche Gefahren.

Die verschiedenen Ämter verdeutlichen, dass die historische Nachtwache mehr war als ein einzelner Mann mit einer Laterne.

 

9. Der Polizeibrunnen „Ein besonderer Ort für die Cannstatter Nachtwächter“

Etwas unscheinbar, zwischen der alten Stadtkirche und dem Rathaus, befindet sich der Polizeibrunnen.

Gespeist wird er aus der Kellerbrunnen-Quelle.

Damit ist auch dieser ein mit Mineralwasser gespeister Brunnen und kann als Trinkwasserbrunnen genutzt werden.

Wie andere Mineralwasserbrunnen der Stadt ist er ganzjährig in Betrieb.

Der Name des Brunnens wird mit der früheren örtlichen Ordnung und einer Wache beziehungsweise Polizeieinrichtung in Verbindung gebracht.

Rund um den Polizeibrunnen wird auch eine Überlieferung erzählt, die mit den Nachtwächtern verbunden ist.

Der Nachtwächter haben ihren Rundgang nicht unmittelbar am Wachgebäude beginnen dürfen, sondern auf der gegenüberliegenden Seite starten müssen.

Für die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e.V. ist der Polizeibrunnen heute ein besonderer Ort.

Hier beginnt am 6. Januar um 5 Uhr morgens die Fasnet auf traditionelle Weise.

Zu einer Zeit, in der ein großer Teil der Stadt noch schläft, versammeln sich die Nachtwächter, um die närrische Zeit zu begrüßen.

So wird der Brunnen zu einem Treffpunkt, an dem örtliche Geschichte, überliefertes Brauchtum und das heutige Vereinsleben zusammenkommen.

Wenn Cannstatt noch schläft, sind die Nachtwächter schon unterwegs und am Polizeibrunnen beginnt die Fasnet!

 

10. Vom historischen Beruf zum lebendigen Brauchtum

Der Nachtwächter ist heute in den meisten Städten kein alltäglicher Beruf mehr.

Moderne Straßenbeleuchtung, Polizei, Feuerwehr und technische Kommunikationsmittel haben viele seiner früheren Aufgaben übernommen.

Dennoch ist die Figur nicht verschwunden.

In historischen Darstellungen, Führungen, Festen und Vereinen lebt sie weiter.

Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit unverändert wiederherzustellen, sondern ihre Geschichten und Traditionen für die Gegenwart zugänglich zu machen.

Die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. verbinden die historische Gestalt des Nachtwächters mit der Fasnet.

Durch ihre Kleidung, ihre Auftritte und ihre Teilnahme an Veranstaltungen machen sie die Figur für Jung und Alt erlebbar.

So wird aus einer Erinnerung an vergangene Zeiten, ein lebendiges Stück Brauchtum.

 

11. Warum beginnt die Fasnet am 6.Januar um 5 Uhr morgens?

Der 6. Januar, der Dreikönigstag, markiert in vielen Regionen den Beginn der aktiven Fasnet.

Nach der Weihnachtszeit richtet sich der Blick damit wieder auf die närrischen Tage.

Für die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. hat dieser Tag eine besondere Bedeutung.

Die Mitglieder beginnen die Fasnet am frühen Morgen um 5 Uhr am Polizeibrunnen in Bad Cannstatt.

Doch warum gerade um diese Uhrzeit?

Der historische Nachtwächter war auch dafür bekannt, die Bürger am frühen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, zu wecken.

In einer Zeit, in der es noch keine Wecker gab, übernahm er damit eine wichtige Aufgabe.

Sein Ruf kündigte den beginnenden Tag an und half den Menschen, rechtzeitig aufzustehen und ihren täglichen Pflichten nachzugehen.

An dieser Aufgabe knüpfen die Cannstatter Nachtwächter mit ihrem frühen Fasnets Beginn pünktlich um 5 Uhr morgens an.

Wenn Cannstatt noch schläft, treten sie am Polizeibrunnen zusammen und begrüßen die närrische Zeit.

So wird aus der historischen Aufgabe des Nachtwächters ein lebendiger Brauch.

Wie einst der Nachtwächter die Bürger aus der Nachtruhe rief, wecken die Cannstatter Nachtwächter heute die Stadt aus ihrem närrischen Winterschlaf und läuten die Fasnet ein.

Dabei ist der Beginn um 5 Uhr als besondere Vereinstradition zu verstehen, nicht als allgemeingültige historische Vorschrift.

Der frühe Zeitpunkt macht den besonderen Charakter unseres Brauchtums aus. Er verbindet die nächtliche Welt des historischen Nachtwächters mit der Freude, der Gemeinschaft und der Lebendigkeit der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Denn die Cannstatter Nachtwächter warten nicht, bis die Sonne aufgeht – sie sind schon unterwegs, wenn Cannstatt noch schläft!

 

12. Unser Brauchtum „Tradition bewahren und weitergeben“

Brauchtum lebt davon, dass Menschen es pflegen, gemeinsam erleben und an die nächste Generation weitergeben.

Es verbindet Vergangenheit und Gegenwart und schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Für die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e.V. bedeutet dies, die historische Figur des Nachtwächters mit Respekt vor ihrer Geschichte darzustellen und zugleich die Freude an der Fasnet zu leben.

Dabei gehören historische Fakten ebenso zur Chronik wie überlieferte Geschichten und lokale Anekdoten.

Wichtig ist, diese voneinander zu unterscheiden: Nicht jede Erzählung lässt sich historisch belegen, doch manche Geschichten zeigen, wie Menschen sich die Vergangenheit vorstellen und wie Traditionen über Generationen weitergegeben werden.

Mit ihrem Engagement tragen die Mitglieder dazu bei, dass die Nachtwächter in Bad Cannstatt nicht in Vergessenheit geraten.

Sie stehen für Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Freude daran, das örtliche Brauchtum lebendig zu halten.

 

13. Die gesellschaftliche Stellung des Nachtwächters

Obwohl der Nachtwächter eine wichtige Aufgabe für die Sicherheit der Bevölkerung erfüllte, war sein Beruf häufig schlecht bezahlt und mit geringem gesellschaftlichem Ansehen verbunden.

Er arbeitete zu Zeiten, in denen andere Menschen ruhten, musste bei jedem Wetter unterwegs sein und trug Verantwortung für die nächtliche Ordnung.

Der Lohn reichte oft nur für bescheidene Lebensverhältnisse.

Der Beruf galt daher, nicht als besonders angesehen.

 

14. Die Heiratschancen des Nachtwächters

Auch die Heiratschancen eines Nachtwächters waren aufgrund seiner bescheidenen Lebensverhältnisse häufig eingeschränkt.

Sein Beruf brachte oft nur ein geringes Einkommen und wenig gesellschaftliches Ansehen mit sich.

Überliefert wird, dass Nachtwächter früher häufig nur verwitwete Frauen als Ehefrauen bekamen. Aufgrund ihrer wirtschaftlich unsicheren Lage und ihres geringen gesellschaftlichen Ansehens galten sie offenbar nicht als besonders begehrte Heiratskandidaten.

Eine Witwe, die bereits verheiratet gewesen war, konnte eher bereit sein, einen Mann mit bescheidenem Einkommen und niedrigem gesellschaftlichem Status zu heiraten.

Diese Überlieferung verdeutlicht, wie schwierig es für einen Nachtwächter gewesen war, eine Familie zu gründen und gesellschaftliche Anerkennung zu finden.


15. Der Henker noch stärker ausgegrenzt

Noch schwieriger war die gesellschaftliche Stellung des Henkers.

In vielen historischen Gesellschaften gehörte der Beruf des Henkers zu den sogenannten „unehrlichen Berufen“.

Diese Bezeichnung meinte eine gesellschaftliche Einstufung und bedeutete nicht, dass der Mensch persönlich unehrlich war.

Obwohl der Henker eine Aufgabe erfüllte, die von der Obrigkeit verlangt wurde, wurde er häufig ausgegrenzt.

Die Nähe zu Hinrichtungen und zum Tod führte dazu, dass er und teilweise auch seine Familie gesellschaftlich gemieden wurde.

Im Vergleich dazu konnte der Nachtwächter zwar ebenfalls ein geringes Ansehen genießen, doch war seine Stellung nicht überall mit der besonders starken Ausgrenzung verbunden, die ein Henker erfahren mussten.

Beide Berufe zeigen, dass gesellschaftlicher Nutzen und gesellschaftliche Anerkennung früher keineswegs immer zusammenfielen.

Sowohl der Nachtwächter als auch der Henker erfüllten Aufgaben, die für die damalige Ordnung als notwendig galten.

Dennoch mussten sie häufig mit Vorurteilen und sozialer Distanz leben.

 

16. Die Sperrstunde „Wenn die Stadttore geschlossen wurden“

In vielen historischen Städten gab es eine festgelegte Sperrstunde.

Ein Signal oder Glockenschlag kündigte an, dass sich die Menschen auf die Nacht einstellen sollten.

In befestigten Städten wurden die Stadttore zu bestimmten Zeiten geschlossen.

Wer danach noch hinein oder hinauswollte, musste unter Umständen mit Einschränkungen rechnen oder eine besondere Erlaubnis haben.

Daher kommt die Redewendung „Torschlusspanik haben“ erinnert bildhaft an eine Zeit, in der sich Stadttore schlossen und Menschen befürchten konnten, zu spät zu kommen.

Wenn die Glocke zur Sperrstunde rief, war es höchste Zeit.

Die Tore schlossen sich und der Nachtwächter hielt die nächtliche Ordnung im Blick.

 

17. Wenn der Nachtwächter bei einem Wirt einkehrte

Für Wirtshäuser galt, wenn die Glocke zur Sperrstunde rief, dass der Ausschank beendet werden musste.

Die genauen Vorschriften unterschieden sich je nach Stadt und Epoche.

In manchen Orten mussten zudem offene Feuer gesichert werden, um das Risiko von Bränden zu verringern.

Mit solchen Regeln sollte die nächtliche Ordnung gewährleistet und die Bevölkerung geschützt werden.

Der Nachtwächter konnte dabei helfen, auf die Einhaltung der örtlichen Bestimmungen zu achten.

Rund um den Nachtwächter ranken sich zahlreiche Geschichten.

Eine davon handelt von Wirten, die dem Nachtwächter während seiner Runde den Becher füllten, den er immer bei sich hatte.

Schließlich sollte er seinen Dienst verrichten und nicht im Wirtshaus sitzen bleiben.

In manchen Erzählungen wird deshalb mit einem Augenzwinkern berichtet, dass der Nachtwächter darauf achten musste, sich nicht zu lange aufhalten zu lassen.

Solche Geschichten gehören zum humorvollen Bild, das über Generationen von dieser historischen Figur entstanden ist.

Sie zeigen den Nachtwächter nicht nur als ernsten Hüter der Ordnung, sondern auch als Menschen mit alltäglichen Bedürfnissen.

Als überlieferte Anekdote gehört sie jedoch zu den Erzählungen, die das Bild des Nachtwächters lebendig halten.

 

18. Eine Redewendung mit düsterem Hintergrund „Sich wie gerädert fühlen“

Wer nach einer anstrengenden Nacht am Morgen völlig erschöpft aufsteht, sagt manchmal:

„Ich fühle mich wie gerädert.“

Die Redewendung wird mit dem historischen Rädern in Verbindung gebracht, einer grausamen Form der Hinrichtung.

Dabei wurde das Rad als Folter und Hinrichtungsinstrument eingesetzt.

Die Vorstellung körperlicher Qualen und schwerster Verletzungen erklärt, warum das Bild des Gerädert seins heute für extreme Erschöpfung oder starke körperliche Beschwerden steht.

Rund um Nachtwächter und historische Strafpraktiken gibt es auch Erzählungen, in denen ein pflichtvergessener oder bestochener Wächter schwer bestraft worden sein soll.

Sie erinnern daran, wie streng Ordnung und Pflichtbewusstsein in früheren Zeiten bewertet werden konnten und wie weit die damaligen Strafen von heutigen Vorstellungen eines rechtsstaatlichen Umgangs entfernt waren.

 

19. Weitere Redewendungen rund um Nacht, Wachsamkeit und Dunkelheit

Die Nacht und die Dunkelheit haben seit jeher einen festen Platz in unserer Sprache.

Viele Redewendungen lassen sich mit den Aufgaben und dem Alltag eines Nachtwächters in Verbindung bringen, auch wenn sie nicht alle unmittelbar aus diesem Beruf stammen.

„Die Nacht zum Tag machen“ bedeutet, die Nacht hindurch wach zu bleiben oder ausgiebig zu feiern.

Für den Nachtwächter war das keine freiwillige Entscheidung, sondern Teil seiner Arbeit.

„Mit Argusaugen wachen“ beschreibt besonders aufmerksames Beobachten.

Der Nachtwächter musste genau hinschauen und durfte verdächtige Vorgänge nicht übersehen.

„Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen …“ erinnert an traditionelle Nachtwächterrufe, mit denen die Nachtwächter die Uhrzeit bekannt gaben oder die Bevölkerung auf die Nacht aufmerksam machten.

Die genaue Form solcher Rufe unterschied sich von Ort zu Ort.

„Wer schläft, der sündigt nicht“ ist eine Redensart, die scherzhaft ausdrückt, dass man im Schlaf nichts Unrechtes tun könne.

Für einen Nachtwächter hatte sie allerdings einen anderen Klang:

Er durfte während seines Dienstes gerade nicht schlafen.

Solche Redewendungen zeigen, wie eng Nacht, Wachsamkeit und menschliche Erfahrungen miteinander verbunden sind. Sie helfen dabei, die historische Figur des Nachtwächters auch in der heutigen Sprache wiederzuentdecken.

 

20. „Du schläfst ja mit offenen Augen!“

Diese Redewendung kennt man bis heute.

Sie wird verwendet, wenn jemand müde wirkt, unaufmerksam erscheint oder beinahe im Stehen einschläft.

Der Gedanke lässt sich gut mit dem historischen Nachtwächter verbinden.

Er musste während seiner langen Schichten wach bleiben, auch wenn die Nacht ruhig war und die Müdigkeit immer stärker wurde.

Als humorvolle Verbindung passt sie jedoch zu einem Beruf, bei dem Wachsamkeit die wichtigste Voraussetzung war.

Schließlich durfte der Nachtwächter nicht einfach die Augen schließen, wenn die Stadt schlief. Während die anderen ruhten, musste er aufmerksam bleiben.

 

21. Die Cannstatter Nachtwächter „Hüter einer lebendigen Tradition“

Der historische Nachtwächter gehörte zu einer Zeit, in der die Sicherheit einer Stadt von aufmerksamen Menschen abhing, die während der Nacht ihren Dienst versahen.

Seine Arbeit war oft anstrengend, sein gesellschaftliches Ansehen nicht immer hoch.

Dennoch erfüllte er eine wichtige Aufgabe für das Zusammenleben.

Heute steht der Nachtwächter für mehr als seine ursprüngliche Tätigkeit.

Er ist ein Symbol für Wachsamkeit, Geschichte und die Verbundenheit mit dem eigenen Ort.

Die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Figur in Bad Cannstatt lebendig zu halten und mit der Fasnet zu verbinden.

Die Vereinsgründung am 11.11.2016 um 11:11 Uhr bildet einen besonderen Meilenstein in dieser Geschichte.

Der jährliche Auftakt der Fasnet am 6. Januar um 5 Uhr am Polizeibrunnen ist ein weiterer Ausdruck dieser Verbundenheit mit dem örtlichen Brauchtum.

So treffen in den Cannstatter Nachtwächtern, Geschichte und Gegenwart aufeinander.

Sie erinnern an vergangene Zeiten und zeigen zugleich, wie Tradition durch Menschen, Gemeinschaft und Begeisterung weiterleben kann.

Wir sind die Cannstatter Nachtwächter.

Wir halten die Tradition wach, wenn die Stadt noch schläft und wir begrüßen die Fasnet dort, wo unsere Geschichte auf unsere Gegenwart trifft: am Polizeibrunnen in Bad Cannstatt.

 

22. Schlusswort – Unsere Tradition lebt weiter

Eine Chronik blickt zurück.

Sie erzählt von Menschen, Orten und Ereignissen, die eine Geschichte geprägt haben.

Doch eine Tradition ist nicht allein das, was früher war.

Sie lebt davon, dass Menschen sie heute weitertragen und ihr auch morgen einen Platz geben.

Die historische Figur des Nachtwächters erinnert uns an eine Zeit, in der Wachsamkeit, Pflichtbewusstsein und der Schutz der Gemeinschaft zu seinen wichtigsten Aufgaben gehörten.

Die Geschichten rund um seine Arbeit zeigen uns zugleich, wie sich das Leben im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

Mit der Gründung der Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V. am 11.11.2016 um 11:11 Uhr begann ein neues Kapitel dieser Tradition.

Seitdem verbinden wir die Geschichte des Nachtwächters, mit der Freude an der Fasnet und mit unserer Verbundenheit zu Bad Cannstatt.

Wenn wir am 6. Januar in aller Frühe am Polizeibrunnen zusammenkommen, erinnern wir nicht nur an die Vergangenheit.

Wir zeigen auch, dass Brauchtum Menschen zusammenführen kann unabhängig davon, ob sie schon lange dazugehören oder unsere Tradition gerade erst kennenlernen.

Unser Dank gilt allen Mitgliedern, Unterstützern, Freunden und Wegbegleitern, die unseren Verein mit Leben füllen.

Sie alle tragen dazu bei, dass die Cannstatter Nachtwächter sichtbar bleiben und ihre Geschichte weitergegeben wird.

Möge unsere Laterne auch in Zukunft leuchten, möge unser Horn durch die Gassen Cannstatts erklingen und möge die Begeisterung für unsere Tradition von Generation zu Generation weitergetragen werden.

 

Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen …

 

Wir bewahren die Geschichte.

Wir leben die Fasnet.

Wir halten die Tradition wach.

 

Wir sind die Fasnet Freunde Cannstatter Nachtwächter e. V.


Unser Narrenspruch:

  Hört ihr Leute, laßt euch sagen,

Zwölfe hat die Glock' geschlagen!

Wer nicht ist in bösem Bund,

fürchtet nicht die Geisterstund'!


Veranstaltungen

LWK-Nummer 187
BDK-Nummer 7392
Stadt Stuttgart

Webseite
E-Mail

Soziale Medien

Anerkannte Brauchtumsfiguren